Karriere im Motorsport
Nachbarschaftshilfe – so lässt sich knapp der Umstand
beschreiben, der zu meiner Rallye-Karriere führte. Der frühere
Rallyefahrer Rüdiger Hahn, einst als Werksfahrer in der Rallye-DM
unterwegs, bat mich um meine Mitarbeit in seiner Service-Crew. Natürlich
sagte ich spontan zu, schließlich kam Rüdiger Hahn wie
ich aus Dachsenhausen, wir waren sozusagen Nachbarn. Der Motorsport-Bazillus
hatte mich schnell ergriffen – die Infektion verlief hochgradig
ansteckend, und ich konnte bis heute glücklicherweise nicht
davon geheilt werden.
Ab 1985 unternahm ich im Rallyesport erste „Gehversuche“.
Als sich Hinweise auf mein Talent ergaben, waren es meine Eltern,
die mich förderten.
1987 schenkten sie mir, damals 21jährigen, einen Besuch in der
ADAC-Rallye-Schule. Als Instruktor fungierte Harald Demuth – ein
besserer Lehrmeister als der zweifache deutsche Rallyemeister ist
kaum vorstellbar.
1988 bestritt ich, nachdem ich den Top-Kurs mit Erfolg absolviert
hatte, nationale Rallyes. Doch die Fahrerkarriere währte nicht
lange – ab Oktober 1988 war für mich nicht mehr Rennoverall,
sondern olivgrüne Mode angesagt. In dieser Zeit, als ich Volk
und Vaterland zu verteidigen lernte, begann mein Bruder Olaf ebenfalls
mit dem Rallyesport. Nach Beendigung des Wehrdienstes probierte ich
dann erstmals den „heißen Sitz“ an der Seite meines
Bruders aus und fand Gefallen an der neuen Rolle als Copilot. Fortan
stieg ich nur noch als Beifahrer ins Rallyeauto.
Neben vielen nationalen Läufen bestritten wir „Kölbach-Brüder“ 1991
in einem Opel Corsa den Rallye Central-Cup - mit Erfolg: Wir platzierten
uns stets auf den vorderen Rängen unserer Klasse.
1992 legte ich zwar als aktiver Motorsportler eine Pause ein, dem
Geschehen jedoch blieb ich nicht fern – im Gegenteil: Im weltmeisterlichen
Toyota Team Europe half ich bei der Portugal-Rallye im Service. Es
blieb nicht die letzte WM-Rallye, die ich erleben sollte....
Bereits ein Jahr später – 1993 - startete ich meine internationale
Rallyekarriere mit dem Luxemburger Armand Victor auf einem Opel Kadett
GSI bei der Rallye Schweden. Das war damals ein beeindruckendes Erlebnis.
Der Untergrund aus Schnee und Eis war ohnehin schon ungewohnt, doch
die Spikes bauten einen Grip auf, der das Fahrgefühl völlig
verwirrte. Platz 42 im Gesamtklassement war ein beachtliches Ergebnis
mit dem seriennahen Auto – immerhin konnten bis heute ausschließlich
Skandinavier die Schweden-Rallye gewinnen.
1994 bestritt ich erstmals eine ganze Serie – die Fiat Cinquecento-Trophäe.
Christoph Schleimer hieß mein Chauffeur. Es war ein erfolgreiches
Jahr, schließlich erreichten wir am Ende den zweiten Platz
in diesem hart umkämpften Marken-Pokal.
1995 stieg ich dann noch eine Stufe höher – an der Seite
von Claus Aulenbacher nahm ich in einem allradgetriebenen Subaru
Impreza Platz. Neben der Deutschen Rallyemeisterschaft und einigen
Läufen in Frankreich stand im November auch die berüchtigte
RAC-Rallye in Großbritannien auf dem Programm, das traditionelle
Saisonfinale der Rallye-Weltmeisterschaft. Die schlammigen Prüfungen
in den Midlands, die schwierigen walisischen Waldwege oder die bisweilen
schneebedeckten Pfade in Nordengland und Schottland verlangen Fahrern
und Material alles ab.
Es war vollkommen neu für mich: Bis spät nach Sonnenuntergang
im Wettbewerbstempo zu fahren, dann noch Verbindungsetappen von oftmals
vielen hundert Kilometern zu absolvieren und am nächsten Morgen
bereits um fünf Uhr wieder zur nächsten Sonderprüfung
fit zu sein, aber es machte sehr viel Spaß.
Die folgende Saison 1996 mit Horst Rotter hingegen verlief überhaupt
nicht nach Plan. Zum Saisonauftakt zwang uns eine Magen- und Darmgrippe
bei Horst das Training der Sumava-Rallye abzubrechen. Als wir dann
bei der Hunsrück-Rallye eine Frühform des Elchtests erlebten
und uns ein Hirsch ins Auto lief, war die Saison vorzeitig beendet
und ich stand ohne Sitz für die Deutsche Meisterschaft da.
Der Anruf von Carsten Mohe kam in diesem Moment genau recht. Dessen
langjähriger Copilot fand aus beruflichen Gründen nicht
mehr genügend Zeit für die aufwendigen Vorbereitungen und
so begannen drei überaus erfolgreiche Jahre. Gemeinsam fuhren
wir 1997 in der Deutschen Rallyemeisterschaft von einem Klassensieg
zum anderen, und am Ende sprang mit dem kompakten Gruppe N-Clio sogar
ein überraschender vierter Platz in der Deutschen Rallyemeisterschaft
heraus.
1998 folgte der Umstieg in ein Gruppe A-Fahrzeug, dem Renault Clio
Maxi, mit dem wir einen 8. Platz in der DM-Tabelle heraus fuhren.
1999 stiegen wir dann in den Gruppe A Maxi Mégane um und erreichten
am Ende den 5. Platz in der Deutschen Rallyemeisterschaft.
Im Jahre 2000 wurde mir eine neue Herausforderung im Ausland angeboten.
Nach dem Anruf des Österreichers Beppo Harrach bestritt ich
mit ihm zusammen die ÖM-Rallye-Challenge – mit großem
Erfolg: Wir gewannen diese Meisterschaft. Und es kam noch besser.
Beppos Vater, Ernst Harrach, fragte mich, ob ich an seiner Seite
die Marathon-Rallye London-Sydney bestreiten wolle. Da brauchte ich
nicht lange überlegen. Nach Zustimmung meines Arbeitgebers,
der ja schließlich fünf Wochen auf mich verzichten musste,
stand dem Abenteuer nichts mehr im Wege - 16 Länder, 17.000
km - ein unglaubliches und einzigartiges Erlebnis, das wohl ewig
in meiner Erinnerung bleiben wird.
2001 stand ein weiteres Jahr mit Auslandseinsätzen an. Mit
dem Stuttgarter Fahrer Thomas Wallenwein bestritt ich den Mitropa-Cup.
Diesen beendete ich mit einem dritten Platz in der Beifahrerwertung.
Ein Gespräch mit Sven Haaf ebnete mir im Jahr 2002 den Weg
ins Citroën Deutschland Werksteam. Bereits nach fünf von
sieben Läufen in der Deutschen Rallyemeisterschaft stand der
anvisierte Titel „Deutscher-Junior-Rallyemeister“ fest.
In der Gesamtwertung des deutschen Championats lagen wir vor dem
Finale bei der 3-Städte-Rallye am 24./25. Oktober auf dem zweiten
Platz und hatten damit noch Chancen, mit unserem Citroen-„Winzling“ auch
noch die Vizemeisterschaft zu gewinnen. Es hat leider nicht ganz
geklappt. Die Konkurrenten waren doch etwas stärker, auch vom
Material her. So blieb uns in der Endabrechung der Deutschen Rallye-Meisterschaft "nur" der
dritte Rang. Dies ist dennoch ein toller Erfolg für uns, weil
wir zum Saisonstart gewiss nicht damit gerechnet haben.
Parallel dazu bestritten wir die aus sechs Läufen bestehende
Junior-WM. Bei den ersten Läufen bis einschließlich der
Rallye Deutschland gingen wir, wie in der Rallye-DM, mit dem Citroën
Saxo Super 1600 an den Start. Nach einem guten Angebot des britischen
Palmer-Teams starteten wir bei den letzten Rallyes zur Junior-WM
in Italien und in Großbritannien im Opel Corsa Super 1600.
Leider lief es in der stark besetzten Junior-WM gar nicht nach unseren
Wünschen. Bei einigen Läufen hatten wir den Defektteufel
mit an Bord, oder es war teils unser Fehler, wie zum Beispiel beim
WM-Finale in Wales. Dort rutschten wir kopfüber in den Graben,
fuhren aber weiter, mussten aber dann wegen eines Elektrikdefektes
später ganz aufgeben. Wenn auch der Erfolg ausblieb, wir waren
um viele lehrreiche Erfahrungen reichen - auch um die, dass in der
WM ganz andere Gesetze herrschen.
Im Jahr 2003 wären Sven und ich gerne wieder im Citroen Saxo
angetreten, doch Sven war zu alt für die Junior-WM und mangels
nötigem Budget konnten wir kein Programm auf die Beine stellen.
Als dann Beppo Harrach – mein Pilot aus dem Jahre 2000 - bei
mir anrief und mich fragte, ob ich mit ihm ein zweigleisiges Programm
bestreiten will, brauchte ich eigentlich nicht lange zu überlegen.
Das einzige Problem, was ich sah war: Wie bekomme ich so einen Fulltime-Job
zusammen mit meinem Hauptberuf geregelt? Aber Dank meines Chefs konnte
ich Beppo schnell zusagen.
Im Nachhinein bekam ich meinen Beifahrer-Job locker geregelt, denn
unsere Einsätze in der Junior-WM waren nach drei Rallye – davon
zwei Ausfälle – beendet. Wegen fehlender optimaler technischen
Unterstützung haben Beppo und ich uns Ende Juli vom Astra-Team
getrennt. Das war schon hart für uns, aber ein kräftiger
Trost erwartete uns in der Österreichischen Staatsmeisterschaft:
Der Gruppe-N-Staatsmeister-Titel.
Ich wäre gerne in 2004 weiter mit Beppo gefahren, denn wir
kamen echt super klar und es hat total viel Spaß gemacht. Aber
wegen verschiedenen Problemen musste ich mich zwischen WM und ÖM
entscheiden und es wäre unnormal, wenn ein Co-Pilot sich gegen
die WM entscheiden würde.
Durch Empfehlung von Dieter Schneppenheim, Peter Diekmann und Manfred Stohl hatte sich Sebastian Vollak , der die Sichtung der OMV gewonnen hat, für mich entschieden und so kam ich im Jahr 2004 viel in der Welt herum. Schweden, Neuseeland, Argentinien, Korsika und Australien waren Länder, die ich mit Sicherheit nicht so einfach hätte bereisen können. Motorsportlich gesehen, war es für mich nicht so ein mit Erfolgen geprägtes Jahr, aber dennoch bleiben viele schöne Erinnerungen.
Durch Manfred Stohl, der im Jahr 2004 das Auto von Sebastian bestens vorbereitete, kam ich an Andreas Wimmer und das Agip-Rallye-Team. Andreas kommt aus Sierning in der Nähe von Linz in Österreich. Andy fährt seit dem Jahr 2003 Rallyes, hat aber auch schon Rundstrecken-Erfahrung. Seit dem Jahre 2005 bin ich mit ihm mit einem Subaru im Mittleren Osten unterwegs. Dieses Jahr bestreiten wir erstmals die gesamte FIA Middle East Meisterschaft.
Im Jahre 2006 war ich spontan bei verschiedenen Rallyes unterwegs, unter anderen z. B. mit Charlie Beck, Uwe Nittel und mit Aaron Burkart. Aufgrund des schicksalhaften Unfalltodes von Co-Pilot Jörg Bastuck beim WM-Lauf in Spanien im März 2006 versuchte ich – zusammen mit Tanja Geilhausen – den Junior Aaron Burkart bei seiner weiteren Rallye-Karriere im Citroen C2 zu unterstützen. Da unsere gemeinsame Arbeit super funktionierte und Aaron sich stetig steigerte beschlossen wir, im Jahre 2007 die komplette Junior-WM zu fahren.
Aktuelle Berichte nach jeder Rallye findet Ihr unter „Saison 2007“.
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